Archiv - Berichte
Segeltour der Aktivitas auf dem Ijsselmeer, 2007
Ein Rückblick von Laurin Lengert
Wie immer fing alles mit einer spontanen Eingebung an. Genauer gesagt mit einer spontanen Eingebung im Kopfe unseres letzten Sprechers, der diese glücklicherweise auch ohne zu zögern seiner Umgebung kundtat. Begleitet wurde dies Ereignis vom glücklichen Umstand, dass die Umgebung unter anderem aus unseren alten Herren bestand. Diese griffen die spontane Eingebung freudig auf und nahmen sie zum Anlass der Aktivitas eine großzügige Unterstützung zuzusagen. So kam es denn, dass infolge dieser Begebenheiten fast der gesamten Aktivitas der DHG Fidelitas-Karlstein eine sehr lustige, erlebnisreiche und Gemeinschaftsgeist bildende Segeltour zuteil wurde, für die wir alle sehr dankbar sind und die sicherlich in den nächsten Jahren gerne wieder zur ein oder anderen spontanen Eingebung führen wird.
Soweit zur Einleitung, kommen wir zum Hauptteil:
Wir erreichten das Ijsselmeer am Montagmorgen in der früh und wurden
von strahlendem Sonnenschein und Windstärke 6,9 begrüßt. Beides nahm
unser weiblicher Skipper, also die Bootsführerin, zum Anlass den ersten
Tag geruhsam im Hafen der Stadt Lelystadt zu verbringen. Natürlich
sprachen hierbei hauptsächlich versicherungstechnische Gründe gegen ein
Segeln bei annähernd Windstärke sieben.
Davon ließen wir uns allerdings nicht entmutigen, bezogen die Zimmer
und sorgten erstmal für eine volle Speisekammer. Bezüglich der Zimmer
ist allerdings noch zu erwähnen, dass wir erfreulicherweise für jeden
Mann zwei Betten zur Verfügung hatten. Das Schiff war schließlich für
28 Matrosen ausgelegt, wobei wir uns jedoch nur mit 14 angemeldet
hatten. Die Tatsache, dass wir für die Kosten eines 14-Mann-Bootes ein
28-Mann-Boot erhielten, entsprach einer weiteren glücklichen Fügung,
die man auch Überbuchung nennt und sich als Fehler des Bootsvermittlers
entpuppte.
Nachdem die Speisekammer mit allerlei Köstlichkeiten, unter anderem dem
allseits beliebten holländischen Fla mit Geschmacksrichtung Schoko,
Vanille und Karamell, gefüllt war, zogen wir aus zum Erkunden der
Umgebung und um die hohe Windstärke zum Drachenfliegen zu nutzen. Die
chaotisch verstreuten Matschpfützen zusammen mit dem heftig ziehenden
Lenkflugdrachen verlangten allerdings gerade den ungeübten
Drachenlenkern höchste Konzentration ab und führten auch zum ein oder
anderen Paar schlammbedeckter Schuhe.
Den Nachmittag verbrachten wir damit, uns auf Deck der prallen Sonne
auszusetzen, was durch den heftigen Wind aber nicht ganz an den Charme
eines regulären Sonnenbades heran reichen konnte. Nichtsdestotrotz
bewies uns die Sonne, dass ihr ein kühlender Wind noch lange nicht die
Fähigkeit raubt Frauen wie auch Männerwangen mit einer hitzigen Röte
auszustatten. So kam es auch, dass auf unserer Vergleichsliste der
knusprigsten Gesichter so manch einer die Punkteskala zu sprengen
drohte.
Den Abend verbrachten wir dann mit gemütlichen Poker- und sonstigen
Gesellschaftsspielen. Nebenbei überlegten wir uns Strategien, wie wir
den Skipper dazu überreden könnten uns bereits am Abend eine
Segeleinführung zu spendieren, um am nächsten Morgen früher in See
stechen zu können. Leider ging jedoch keine dieser Strategien auf, da
der Skipper die (möglicherweise berechtigte didaktische) Position
vertrat, dass nur sofortige praktische Übungen an Tau und Mast ein
schnelles Abspeichern der erforderlichen Knoten und sonstigen
Fähigkeiten zu sichern vermögen.
So mussten wir uns damit begnügen erst am nächsten Morgen eine
Einführung vom charmanten ersten Maat, ebenfalls eine Frau, zu
erhalten, nach der wir dank des reibungslosen Ablaufs, recht flott in
See stechen konnten. Wobei man korrekterweise in Meer stechen sagen
müsste, da das holländische Wort Meer eigentlich See heißt und See
Meer. Wen das verwirrt der muss sich einfach nur merken, dass es sich
beim Ijsselmeer um einen Süßwassersee handelt und dass das salzige Meer
unserer Sprache auf holländisch die See genannt wird.
Wir stachen also in Meer und steuerten in Richtung unseres ersten
Zielhafens Stavoren. Interessanterweise schien sich der Wind ein genau
entgegengesetztes Ziel ausgesucht zu haben, sodass wir direkt am ersten
Segeltag in den Genuss des gegen den Wind segelns kamen. Dies hatte
nicht nur häufiges Wenden zur Folge, sondern auch eine heftige Debatte
über die physikalischen Vorgänge an einem Segel während des Kreuzens.
Nachdem wir zu der Übereinkunft gekommen waren, dass gegen den Wind
segeln zumindest praktisch mit gewissen Einschränkungen möglich sei,
wendeten sich ein paar besonders Wagemutige unserem leiblichen Wohl zu
und beglückten uns mit einer herzhaften Portion Chili-con-Carne.
Den Rest des Tages verbrachten wir mit den uns zugeteilten Aufgaben
beim Wenden und dem gewohnten Sonnenbaden, wobei sich bei so manch
einem bereits ein kleiner Lernerfolg eingestellt hatte und er noch
beherzter als am Tage zuvor zum Sonnenschutzfaktor XXL griff.
Nachdem wir sicher im Hafen Stavoren eingelaufen waren, gingen wir wie
gewohnt auf Erkundungstour, um ein gemütliches Plätzchen für die Zeit
nach Sonnenuntergang zu finden. Letztendlich mussten wir uns jedoch mit
einer Imbißbude und einer Schenke zufrieden stellen in der wir schon
gegen 23 Uhr durch fleißiges Aufräumen und Ausschalten der Lichter zum
Gehen animiert wurden.
Also verbrachten wir den Rest des Abends auf Deck und genossen die laue
Nachtluft zusammen mit einem erfrischenden Schluck aus einer
holländischen Bierpulle, die unerwarteterweise nur eine verhältnismäßig
geringe Justierung der Geschmacksnerven erforderte.
Die nächsten Tage orientierten sich unser Tagesablauf recht ähnlich an diesem.
Der Wind hatte jedoch zuweilen ein ähnliches Ziel wie wir, sodass man
mehr Zeit für Ruhe, abschweifende Gedanken und von den irdischen Sorgen
losgelöstes in die Ferne gucken hatte. Gerade letzteres macht auf einem
Meer mit schier endlosem Horizont besondere Freude, wobei man die
Windräder am Rande des Blickwinkels ignorieren sollte.
Die Abende orientierten sich jeweils an den örtlichen Begebenheiten der
Häfen. Dies äußerte sich zum Beispiel im dritten Hafen Medemblik durch
einen Strandbesuch mit anschließendem Fußballspiel der männlichen
Aktivitas und im letzten Übernachtungsort Volendam durch den Besuch
einer Karaoke-Bar, in der wir zufälligerweise auch unseren Skipper
antrafen.
Am letzten Tag stand dann das gründliche klar Schiff machen an, also
Deck und Unterdeck schrubben und Putzen sowie Betten neu beziehen. Dank
der fleißigen Zusammenarbeit aller Mannschaftsmitglieder wurden wir
hiermit auch recht schnell fertig und konnten so den Skipper doch noch
dazu überreden, kurz den Anker zu werfen und die Mannschaft in ein
kaltfröhliches Bad im Ijsselmeer zu entlassen.
Im Hafen angekommen stand uns dann noch ein weiteres unerwartetes
Abenteuer bevor, denn die Autos mussten aus dem Parkhaus befreit
werden. Aufgrund technischer Mängel der Schranken und der fehlenden
Bereitschaft des Parkhauspersonals mit eigener Anwesenheit zu glänzen,
stellte sich dies als recht kniffliges und langwieriges Unterfangen
heraus.
Erst nach über einer Stunde konnten die Schranken mit Hilfe eines
Fahrrades zur Simulation von Gewicht und elektrischer Leitfähigkeit
eines Autos überlistet werden und so unsere Autos wieder auf freien Fuß
gesetzt werden.
Wir verabschiedeten uns von der verbleibenden Bootsmannschaft, also
Skipper, erstem Maat und dessen bzw. deren Freund und traten wehmütig
die Heimreise an.
Zusammenfassend möchte ich im Namen der Aktivitas noch einmal betonen, dass es eine sehr schöne, erfahrungsreiche und äußerst lohnende Segelfahrt war und wir unserer Altherrenschaft sehr dankbar dafür sind, dass sie uns dies ermöglichte!