DHG Fidelitas-Karlstein

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Kanutour auf dem Regen, 2007

Ein Rückblick von Michael Ziemann

 

Das kam dem Max merkwürdig vor. Eigentlich hatte er den gesamten Garten immer für sich, um seinem Ball nachzujagen, falls er denn jemanden fände, der dämlich genug wäre, ihm den immer wieder durch die Gegend zu werfen, oder aber, um vom verfaulten Fallobst zu naschen und sich so den Magen zu verderben.
Jetzt aber standen da drei bunte glänzende Halbkugeln mitten auf dem Rasen. Ufos, irgendwo über dem Tal der Naab?  Mit ihnen kamen in größerer Zahl reichlich normale Zweibeiner, ohne Stielaugen und kaum grün..

Maximus ist der temperamentvolle Hund von Frank und Sabine, unserer Altgildensprecherin. Nachdem wir in den letzten Jahren einige Male quasi vor der weiteren Haustür Darmstadts auf der Lahn gepaddelt waren, hatte Sabine in diesem Sommer eine Kanutour in der Oberpfalz organisiert. Natürlich gehörte Max, der dämlich genug war, seinem davongeworfenen oder mit dem Fuß davongeschossenen Ball immer wieder keuchend nachzujagen (das muß evolutionär bedingt genetisch kodiert sein, survival of the fittest), zu den ersten Dingen, die wir bewunderten. Nicht schlecht staunten wir gemeinsam mit Max aber auch, als mit dem Eintreffen unserer Jüngsten neben den drei herkömmlichen ein kohtengroßer Iglu emporwuchs, dessen Foyer man aufrecht stehend betreten konnte. Andere Zeiten, andere Zelte.

Schließlich machten wir uns aber doch lieber über Leberkäs und Eintopf her, leerten ein Getränkefaß und krochen gegen Mitternacht oder wenige Stunden später in unsere Zelte.
Petra war uns gnädig gesonnen und gewährte ihrem Göttergatten nach einer reichlich regnerischen Woche freie Hand für ein sonniges Wochenende mit lauen Abenden und klaren, taureich kühlen Nächten.
So stachen wir denn nach ausgiebigem Frühstück gut gecremt am späten nächsten Morgen mit fünf Booten in See, oder besser in Ermangelung von Holländern in den Regen.
Der Regen tat das selbe wie Altmühl und Naab, die linke Socke, entpuppte sich dabei aber als reizvolle Herausforderung. Während die Lahn im unteren Teil gänzlich und im von uns bevorzugten Mittellauf zum größeren Teil staugeregelt ist, fiel hier die Durchfahrt handbedienter Schleusen vollständig weg. Sein Gefälle macht der Regen dafür größtenteils dem Bootswanderer verfügbar. Dies mag eine Erleichterung beim flußabwärts-Paddeln sein (flußaufwärts ist fast unmöglich), vor allem bedingt es aber eine abwechslungsreiche Strecke mit Untiefen und Stromschnellen.

Große Findlinge ragen aus dem Fluß, vom mahlenden Lauf der Zeiten
und des Wassers rundgeschliffen, verengen und beschleunigen das
Gewässer. Dazwischen verbergen sich andere Brocken unter der Wasseroberfläche, flacher und gut geeignet, darauf aufzusetzen, von der
Strömung quer gedreht und schließlich herunter gekippt zu werden. Durch die Veränderung der Dünung über ihnen sind sie aber für die rasch  lernenden fieberhaften Beobachter der voraus drohenden Gefahren gut zu
erahnen und oft auch noch rechtzeitig umschiffbar.Nur an einer Stelle muß
ein Wehr entweder umtragen werden, oder aber die Boote können auf
einem reißenderen schmalen Nebenstrom an langen Seilen unbemannt
getreidelt werden. Wir bevorzugten letzteres und brachten auch die Frauen
an Land in Sicherheit.

Während die einen sich damit begnügten, die kritischen Stellen möglichst sicher zu durchfahren, entdeckten andere, daß es jenseits des Hauptstroms oft noch reizvollere Routen gab, mit schmaleren Durchfahrten und schnelleren Richtungswechseln, mit kraftvolleren Paddelstößen und angestrengter hektischer Navigation zu meistern. Die Wettrennen auf freier Strecke gewann natürlich stets das einzige frauenfreie Boot.
Just gegen Mittag bot sich ein Biergarten nicht weit vom Ufer entfernt gelegen dar. Wir vertäuten die Boote und kehrten zu einer ausgiebigen Rast ein. Glücklicher Zufall wollte es, daß wir den einzigen Regen (von oben) des Wochenendes dort unter den Sonnenschirmen erlebten. Gut gesättigt machten wir uns schließlich irgendwann wieder auf den Weg, kämpften erneut mit Stromschnellen, wilden Tieren und losen Schnürsenkeln und vollbrachten noch die eine oder andre erwähnenswerte Heldentat, die hier aus bloßem Platzmangel verschwiegen werden muß.

Wir hatten diesmal nur ein einziges, vor Ort ausgeliehenes Kind dabei. Dennoch bot auch der Regen genügend Wasser, um es mit den Paddeln durch die Luft in fremde Gesichter oder Boote zu befördern. Oder eigene. Immerhin kenterte diesmal aber trotz der anspruchsvolleren Strecke kein einziges Boot vollständig. Diejenigen, die über Bord gingen, taten das in der Nähe des Ziels freiwillig zum Baden.

Erst die letzten Kilometer unserer Strecke verlief der Fluß fast strömungsfrei, weshalb einige auch bereits am vorletzten Ausstieg an
Land gingen, die anderen konnten noch einmal ihre Oberarme im ruhigen synchronen Paddeln erschöpfen. Beim abendlichen Kuchenbacken und Grillen erholten wir uns rasch von Sonnenbränden oder -stichen und löschten auch die anderen Brände des Tages. Am nächsten Tag lockte die einen noch eine Stadtbesichtigung von Regensburg, die anderen machten sich gleich auf den Heimweg. Im nächsten Jahr wird es uns schwer fallen, zu entscheiden, was uns mehr lockt, die Lahn mit kurzer Anreise, der Regen mit vielfältigeren Abenteuern oder neue Herausforderungen auf fremden Fließgewässern.