Archiv - Berichte
Pragfahrt 2002
Ein Rückblick von Edmund Mühlhans
Die Deutsche Hochschulgilde FIDELITAS-KARLSTEIN unternahm vom 9.5. bis 12.5.2002 eine Busreise nach Prag, an der sich gleichermaßen Aktive und AHAH - 30 Personen insgesamt - beteiligten.
Die an geschichtlichen Erinnerungen reiche Stadt in der Mitte Europas, ehemals Sitz des Deutschen Kaisers, war im Mittelalter und in der Barockzeit die bedeutendste Metropole nördlich der Alpen und Standort der ersten Deutschen Universität. Leben, Kultur und Wirtschaft der Stadt Prag waren ständig geprägt von den Vorteilen und von den Problemen des Zusammenlebens von Tschechen, Deutschen und Österreichern. Prag blieb von kriegerischen Zerstörungen weitgehend verschont und ist daher nun reich an geschichtsträchtigen Baudenkmälern aus allen Jahrhunderten und deshalb heute ein Reiseziel für viele Touristen aus aller Welt.
Ein besonderer Anziehungspunkt war für uns natürlich die
nahe bei Prag gelegene Burg Karlstein, von der ein Teil des Namens unserer Gilde
abgeleitet ist, und die natürlich jedes Mitglied unserer Gilde gerne gesehen und
besucht haben möchte.
Wir haben Prag erlebt. In einem reichhaltigen Besichtigungsprogramm, das sich über vier Tage hinzog, sammelten wir vielfältige Eindrücke von der "Goldenen Stadt". Wir sahen die berühmten Bauwerke der verschiedenen Epochen, die Gebäude der historischen Prager Fensterstürze, das Rathaus mit seiner astronomischen Uhr und viele Kirchen. Wir bummelten im Gedränge der zahlreichen Touristen über die Karlsbrücke und hinauf zum Hradschin - immer auf der Hut, nicht bestohlen zu werden. Im Veitsdom sahen wir u. a. den silbernen Sarg, in dem die Gebeine des heiligen Johannes von Nepomuk verwahrt sind. Wir bestiegen einen Turm des Veitsdomes auf enger Wendeltreppe mit Gegenverkehr und blickten hinab auf die hügelige Stadt an der Moldau mit ihren vielen Brücken und Türmen. Einen ebenfalls grandiosen Überblick über die Stadt und auf den Hradschin hatten wir aus der Gegenrichtung vom Zizkaberg. Wir wanderten zum Gebäude der Deutschen Botschaft und sahen den Park, in den sich 1989 hunderte von DDR-Bürgern geflüchtet hatten und so ihre Ausreise in den Westen erzwangen. Auf dem sagenumwobenen Wyshehrad mit seinen gewaltigen Befestigungsanlagen besuchten wir den Ehrenfriedhof mit den Gräbern vieler Künstler, Wissenschaftler und anderer Großen des tschechischen Volkes, u. a. der Komponisten Dvorzak und Smetana.
Wir waren natürlich auch auf der Burg Karlstein. Beeindruckend waren insbesondere der ca. 80 m tiefe Brunnen, der die Wasserversorgung der Burg auch im Falle einer Belagerung sicherstellte, sowie der Hauptturm mit seinen 6 m dicken Mauern und seinem leicht zu verteidigenden Zugang über eine Holzbrücke. Leider war das Kleinod der Burg, nämlich die im Hauptturm befindliche Kreuzkapelle, in der seinerzeit die Reichsinsignien sicher und ehrenvoll aufbewahrt wurden, zur Besichtigung nicht frei gegeben. Einige von uns hatten jedoch bereits auf der EXPO2000 die Gelegenheit wahrgenommen, eine originalgetreue Nachbildung dieser Kapelle zu sehen.
Wir standen auf dem Weißen Berg bei Prag, wo ein Gedenkstein an die erste bedeutende Schlacht des dreißigjährigen Krieges erinnert. Heute ist hier eine kahle friedliche Landschaft, deren Ruhe nur hin und wieder durch die Nähe des Prager Flughafens gestört wird.
Am zweiten Abend unseres Pragaufenthaltes gab es ein Gespräch mit zwei tschechischen Studierenden zum Thema des Nachbarschaftsverhältnisses zwischen Deutschen und Tschechen. Der Meinungsaustausch wurde von beiden Seiten in einer offenen und sachlichen Atmosphäre geführt. Wir verabschiedeten uns freundschaftlich und hoffen, damit einen kleinen Beitrag zur Völkerverständigung geleistet zu haben.
Unser Reise- und Besichtigungsprogramm der vier Tage war umfangreich und anstrengend. Das freundliche Wetter, die Produkte der böhmischen Küche und das gute böhmische Bier erleichteten uns allerdings die Strapazen und hielten alles in einem erträglichen Rahmen. Bei unserer Ankunft in Darmstadt waren sich alle einig: Das Ganze war eine gelungene Sache. Wir werden noch lange daran denken und davon zehren. Prag war diese Reise wert.